Nachdem ich mich ein paar Wochen in Kolkata eingelebt hatte, begann ich am 1.Dezember 2019 in den Schulen von Calcutta Rescue mitzuarbeiten. Ich bin ursprünglich Softwareentwickler. Als ich mich für die Freiwilligenarbeit bewarb, dachte ich hauptsächlich daran, Computerstunden zu halten und Englisch zu unterrichten. Da Calcutta Rescue ein gutes Auge darauf hat, dass die Schüler mit der Computertechnologie arbeiten, auch wenn sie diese Möglichkeiten zu Hause in der Familie nicht haben, fand ich in diesem Bereich
tatsächlich meinen Einsatz. Zusätzlich bildete ich ein Team mit der Berufsberaterin der Schulen, die vor allem mit den älteren Schülern arbeitet.

Leider kam mein Aufenthalt durch die Corona Krise und die Schliessung der Schulen zu einem abrupten Ende, so dass ich zwei Monate früher als geplant zurückkehrte.

Hier nun ein kleiner Einblick in die Bereiche, in die ich involviert war:

Berufsberatung
Tuli Chatterjee ist „Career Counsellor“ in den Calcutta Rescue Schulen (Berufsberaterin). Sie unterstützt Schülern dabei, die die Schule bald beenden, Ausbildungsplätze und/oderBerufe zu finden. Dafür nimmt sie direkt Kontakt mit Unternehmen und Weiterbildungszentren auf, und vermittelt die Schüler, wenn es offene Stellen oderweiterführende gute Kurse gibt. Zusätzlich unterrichtet Tuli die Jugendlichen. Der
Unterricht gibt ihnen Hilfe und Motivation, den für sie passenden Beruf zu wählen und zu finden. Und Tuli zeigt ihnen auf, dass sie tatsächlich auch eine Wahl haben und ihren Talenten folgen dürfen.

Guy Dondlinger auf der Weihnachtsfeier der deutschen Botschaft in Kolkata. Foto: CRK

Teil meiner Aufgaben bei Calcutta Rescue war es, Tuli bei diesem Unterricht zu unterstützen. Anfangs haben wir die Schüler aufgefordert, sich Gedanken zu Berufen zu machen, die ihnen Spass bereiten würden und den dazu passenden Eigenschaften, die sie dafür hätten. Oder an denen sie noch arbeiten müssten. Darüberhinaus hatten wir begonnen, mit den Schülern „public speaking“ zu üben, d.h. sie daran zu gewöhnen, vor anderen Menschen zu sprechen und Vorträge zu halten. Wir gaben ihnen die Aufgabe, kurze informelle Vorträge vor ihrer Klasse zu halten. Die Schüler
der Klasse 10 hielten diese Vorträge auf Englisch, den übrigen Schülern war die Sprache freigestellt. Nach anfänglichem Zögern, machte das allen sogar sehr viel Spass und man konnte sehen, wie sie bei den Vorträgen immer grösser und selbstbewusster wurden.

Karadi Path
Karadi Path ist eine Organisation aus Chennai, die eine Methode entwickelt hat, um Kindern und Jugendlichen aus nicht-anglophilen Familien Englisch „spielend“ beizubringen. Hierzu haben sie passendes Audio- und Video-Material erstellt und bilden die Lehrerinnen und Lehrer entsprechend aus.
Teil meiner Aufgaben war es, mit Karadi Path Kontakt aufzunehmen und zu prüfen, ob und welche Programme für die Schulen in Frage kommen könnten. Karadi Path hat uns ein umfassendes Angebot zukommen lassen. CEO Jaydeep hat anschließend die Aufgabe übernommen, die Karadi-Path-Methoden in den beiden Schulen als Standardprogramm für Englischkurse einzuführen.

Englischlehrerin Priyanka mit zwei Schülerinnen in der Schule No.10. Foto: CRK

„Coding for Kids“ (Programmieren)
In Hinblick darauf, dass ich von Beruf Softwareentwickler bin, bekam ich die Aufgabe ein Curriculum zu erstellen, das ermöglicht, den Schülern das Programmieren beizubringen.
Hierzu habe ich verschiedene Online-Anbieter solcher Kurse geprüft und mich letztendlich für die Plattform code.org entschieden. Sie bietet kostenlos sowohl einen Lehrplan als auch Materialien und vor allem die technische Plattform an, um Kindern verschiedener Altersklassen, beginnend im Vorschulalter bis zu Klasse 12, das Programmieren
beizubringen.
Für die jüngeren Schüler basiert der Lehrplan auf dem Steuern von animierten Comicfiguren und hat als Ziel das Entwickeln eines eigenen Spiels als Web-App. Für ältere Schüler sieht der Lehrplan das Designen und das Entwickeln von eigenen Apps vor.

Computerlehrer Sanu mit Schülern des Programmierkurses. Foto: CRK

In Absprache mit Jaydeep haben wir uns entschlossen, den 12-wöchigen Basiskurs für zehn ausgewählte Schüler der Klassen 2 bis 4 in der Schule Nr. 10 als Pilotprojekt anzubieten.
Dazu wurden alle bestehenden Rechner der Schule ans Internet angebunden. Als Vorbereitung wurden zuerst zwei Unterrichtsstunden abgehalten, in denen die Schüler das Bedienen eines PCs bzw. Laptops lernten und ihnen die Grundsätze des Internets (und des Verhaltens im Internet) vermittelt wurden.
Ab der 3. Unterrichtstunde konnten die Schüler dann online die ersten praktischen Erfahrungen mit den Grundsätzen des Programmierens durch das Steuern von animierten Comic-Figuren sammeln. Dies hat den Schülern, und vor allem den Schülerinnen, offensichtlich sehr viel Spaß gemacht hat, so dass sie im Unterricht sehr motiviert waren.

Leider fanden nur 3 praktische Unterrichtsstunden statt ehe die Schulen geschlossen werden mussten. Da wir den Kurs allerdings zu zweit abgehalten haben, und mein indischer Co-Lehrer Sanu auch bei den Vorbereitungen für den Unterricht mitgeholfen hatte, ist er in der Lage, den Unterricht weiterzuführen, wenn die Schulen wieder geöffnet werden können. Außerdem kann er weitere Lehrerinnen und Lehrer im IT- Bereich so schulen, dass auch sie das Projekt unterstützen können.
Zurück in Deutschland bin ich sehr gespannt darauf, von weiteren Fortschritten der Schüler und ihrem Spass am Computerunterricht zu hören.

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