Während des Lockdowns hat sich das Team von Calcutta Rescue sehr bemüht, alle Prozesse im Detail festzulegen, damit das Team die Kliniken nach ihrer Wiedereröffnung sicher betreiben können. Drei Ärzte aus England gaben hierbei unschätzbare Ratschläge und es wurden eine Reihe von Schulungen für die Mitarbeitenden durchgeführt, damit sie genau wissen, was sie tun müssen, um sich und die Patientinnen und Patienten zu schützen. Die Kliniken wurden in grüne und rote Zonen unterteilt und es wurden an wichtigen Stellen Plexiglas-Scheiben installiert, um eine physische Barriere zwischen den Patientinnen und Patienten und dem Personal zu schaffen. Um die Sicherheit zu gewährleisten, wurde die Zahl der Menschen, die die Kliniken besuchen, um drei Viertel reduziert.

Dafür wurden alle Ärztinnen und Ärzte in telefonischer Konsultation geschult, sodass nur diejenigen Kranken, welche Medikamente oder Lebensmittel oder eine ärztliche Untersuchung benötigen, in die Kliniken kommen müssen. Die Ärztinnen und Ärzte haben sich sehr gut auf das neue System eingestellt. Die Wiedereröffnung der Kliniken wurde zeitlich gestaffelt, damit das Team sich abwechselnd auf jede einzelne konzentrieren konnte, um einen sicheren Betrieb zu gewährleisten.

Sib Sankar betreut die Hotline für Patienten. Foto: CRK

Die gute Nachricht ist, dass sich all diese Vorbereitungen wirklich ausgezahlt haben, als die Regierung schliesslich den Lockdown aufhob. Im Juni wurde mit der Wiedereröffnung der Kliniken begonnen, zuerst in Talapark, dann in Chitpur und zuletzt in Nimtala. Die Tuberkulose-Klinik hat nie wirklich aufgehört zu arbeiten und das Strassenmedizin-Team liefert Medikamente an die registrierten Patientinnen und Patienten in der ganzen Stadt.

Seit der Wiedereröffnung der Kliniken ist es Calcutta Rescue gelungen, den Kontakt zu vielen der Patientinnen und Patienten wiederherzustellen, dessen Kontakt während dem Lockdown verloren ging.

Die Nimtala Klinik konnte während dem Lockdown nur unregelmässig geöffnet werden. Den Patienten, die sonst täglich in die Klinik kamen, um ihre zum Teil sehr schlechte Wunde versorgen zu lassen, wurden jeden 2 Wochen Verbandsmaterial abgegeben. Die Patienten wurden angewiesen, ihre Wunden auf sehr einfache Art und Weise zu verbinden, so dass sie dies selbst tun konnten. Sie wurden gebeten, ihre Hände und Wunden 2 Minuten lang gründlich mit Badeseife und sauberem Trinkwasser aus dem Wasserhahn zu waschen, sie dann abzutrocknen, die mitgelieferte Betadin- Salbe und anschliessend Jelonet-Salbenkompresse auf die Wunde aufzutragen und dann mit einem Verband zu binden. Sie sollten dies mindestens zweimal pro Woche machen. In den letzten Wochen  konnte das Team bestätigen, dass bei den meistens Patienten die Wunde deutlich heilen konnten. Trotz erschwerten Bedingungen haben unsere Patienten wirklich probiert mit einfachen Mitteln sich Sorge zu haben und aktiv an ihre Genesung zu arbeiten. Mohen, Tapan, Jaganath, Tarulata, Atanu Badal, Sukumar, wir sind beeindruckt von eurem Einsatz!

Trotz erschwerten Bedingungen haben unsere Patienten wirklich probiert mit,aktiv an ihre Genesung zu arbeiten. Foto: I.Hug

In der Talapark-Klinik wurde das Impfprogramm wieder aufgenommen. Weil nun nur noch Konsultationen nach vorheriger Anmeldung durchgeführt werden und weil keine Züge fahren, wurden in der Talapark-Klinik täglich nur noch etwa 23 statt 80 Patientinnen und Patienten aufgenommen.

Konsultationsvorbereitung in der Talapark Klinik. Bild: CRK

Diese Arbeitsweise wird so lange fortgesetzt, wie Covid ein erhebliches Risiko darstellt. Und wie die Gesundheitsdienste auf der ganzen Welt freut sich das Team darauf, nach Überwindung der Krise die Vorteile der Mobiltechnologie zu nutzen, um den Patientinnen und Patienten Beratung und Konsultation aus der Ferne ermöglichen. Derzeit werden Laptops, gekauft damit die Ärztinnen und Ärzte die Konsultationen angemessen protokollieren und auf medizinische Online-Informationen zugreifen können. Ein geeignetes Patientenverwaltungssystem wurde gefunden und das Team wird mit einem Software-Entwickler zusammenarbeiten, um es auf die Bedürfnisse von Calcutta Rescue zuzuschneiden. In der Zukunft werden wir dadurch vielleicht letztendlich viel mehr Menschen medizinisch versorgen können, und zwar nicht nur in den Slums, in denen Calcutta Rescue bereits arbeitet, sondern in der ganzen Stadt und darüber hinaus…

Ein grosses Problem ist derzeit, dass die Strassenmedizin-Busse nicht in die Slums fahren können, weil wegen der sehr hohen Nachfrage ein Covid-sicherer Betrieb unmöglich ist. Es ist also sicher, dass Menschen, die Hilfe brauchen, durch die Maschen fallen und sie vom Team nicht entdeckt werden. Deshalb wird in drei Slums (Garden Reach, Anandhapur und Kolkata Station) ein neues System erprobt. Dort wurden Frauen ausfindig gemacht, die zu lokalen Gesundheitshelferinnen ausgebildet werden und zu Calcutta Rescue’s Augen und Ohren vor Ort gemacht werden. Eine Präsenz an diesen Orten ist dringend nötig. Wenn der Versuch funktioniert, wird das Modell auf viele weitere Slums ausgedehnt.

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