Medikamente für Patienten werden vorbereitet und anschliessend verteilt. Foto: CRK

Seit Dienstag 17. März gilt in der Schweiz die milde Abriegelung. Zusammen mit meinem Mann beschlossen wir jeden Tag in Form von Post-its festzuhalten. „Home Office“, „Yoga am Morgen“, „Pick-Nick an der Limmat“, „Telefonat mit …“ dazu folgten viele Namen aus Zürich, der Schweiz, Grossbritannien, Indien. Viele Telefonate kreisten um die Lage aller Beteiligten. Zwischen den Unterstützungsgruppen wie unsere eigene wurden Strategien, Texte und Bilder ausgetauscht um Sie, unsere Spender möglichst informiert zu halten.

Mein Herz war leichter, als ich merkte, dass wir alle weniger unwichtigen Dingen nachrennen. Aber mein Herz war schwerer, als Nachrichten von nahen Freunden in der Schweiz oder aus Kolkata kamen, die zeigten wie verletzlich und einsam viele waren.

Die Pandemie erreichte Kolkata verzögert. Das bedeutete, dass das Team vor Ort Zeit hatte sich vorzubereiten. Trotzdem musste das Team ab dem 23. März am ersten Tag der Abriegelung in Kolkata bereits improvisieren, denn der Entscheid für eine komplette Abriegelung war sehr unerwartet. Keine öffentlichen Transportmittel, Autos dürfen nur mit Sonderbewilligungen fahren, auf viele Angestellte musste plötzlich verzichtet werden, weil viele wie Asif normalerweise drei Stunden Arbeitsweg auf sich nehmen.Unter den Umständen der Abriegelung ist der Arbeitsweg nicht mehr machbar.

Manche der Angestellten in Kolkata übernahmen ganz andere Arbeiten, solche, die bisher in den Büros arbeiteten, waren plötzlich im Feld, stundenlang im Staub und Hitze unterwegs, verteilten Lebensmittel und Medikamente.

Die Nachrichten über die harte und engagierte Arbeit aller Mitarbeiter ist ermutigend, zeitgleich sind die täglichen Berichte auch beunruhigend, weil seit dem ersten Tag nur die dringendsten Fälle behandelt werden können. Da die Patienten nicht mehr in die Klinik kommen können, muss alles zu den Patienten gebracht werden. Das verringert die Anzahl an Patienten, die wir erreichen können drastisch. Die Angst ist spürbar, und doch werden unsere Mitarbeitenden bisher mit viel Dankbarkeit, Respekt und Geduld empfangen

Kinder im Slum Kolkata Station. Foto: Isabelle Hug

Wie viele Andere frage ich mich inwiefern diese Pandemie uns als weltweite Gesellschaft verändern wird. Ich sehe Anzeichen von Dingen, die bis vor kurzem, von der Politik oder den Staaten als bisher unmöglich erachtet wurden, die plötzlich möglich sind und hoffe, dass diese Erfahrung uns etwas über uns Menschen lernen wird.

Vor ein paar Tagen entstand das Post-it „40“, 40 Tage seit die leichte Abriegelung in der Schweiz eingeführt wurde. „So schnell wie möglich aber so langsam wie nötig“, wird in den nächsten Wochen und Monaten Normalität einkehren, aber es wird eine neue Normalität sein. Das wissen wir alle heute schon. Möge diese neue Normalität gesellschaftlich besser sein als die alte! Möge sie respektvoller vor allen Menschen, nachhaltiger, bewusster, einfacher, zentrierter, farbiger und mit mehr Neugier angestrebt werden! Euch allen alles Gute und danke für eure Unterstützung wo auch ihr sie einsetzt.

Präsidentin
Stiftung Calcutta Rescue

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