Wie talentiert und fleissig die Kinder aus den Slums auch sein mögen, zwischen ihrer Lebensperspektive und der Berufs- und Bildungswelt besteht eine grosse Kluft. Tuli Chatterjee hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihnen zu helfen, diesen Graben zu überwinden. Im November 2018 wurde sie von Calcutta Rescue als Ausbildungsberaterin eingestellt zur Unterstützung der Jugendlichen der Calcutta Rescue Schulen bei ihrem Werdegang und zur Vermittlung von Lehrstellen. Bereits jetzt hat sie für fünf Mädchen, welche die Schule abgebrochen hatten, einen dreimonatigen Kosmetikkurs organisiert.

Formulierung der Berufswünsche

Tuli Chatterjee arbeitet intensiv mit den Jugendlichen ab 15 Jahren und hilft ihnen bei der Formulierung ihrer Berufswünsche. Anschliessend beratet sie die Jugendlichen bei der Umsetzung ihrer Vorstellungen in die Realität. Sie ist zwei Tage in der Woche in jeder Schule, trifft die Schülerinnen und Schüler in Gruppen und einzeln. Dadurch kann sie ihre Interessen kennenzulernen und sie ermuntern, ihre Träume zu realisieren. Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit besteht darin, die Jugendlichen zu motivieren, in der Schule zu bleiben. Sie erklärt wie wichtig es ist die Zwischenprüfung mit 16 Jahren abzulegen Sie erklärt zum Beispiel, dass man bei einem Schulaustritt mit 16 Jahren eine Ausbildung als Kosmetikerin machen kann, bei einem vorzeitigen Schulabbruch jedoch nur eine Anlehre als Kosmetikassistentin mit entsprechen tieferem Lohn möglich ist. Natürlich ist das Hauptziel, dass die Jugendlichen die Schule schliesslich mit 18 Jahren mit dem Schlussexamen abzuschliessen.

Foto: © Jacob Roos – Im Einsatz für Calcutta Rescue

Viele Optionen innerhalb einer Branche

Zuoberst auf der Berufswunschliste stehen gemäss Tuli Chatterjee bei den Buben das Militär, Berufe im Gesundheitswesen und, überraschenderweise, Archäologie. Bei den Mädchen sind es Modedesignerin, Kosmetikerin und Lehrerin. Im letzten Monat besuchte sie mit den Schülerinnen und Schülern ein Spital, um ihnen das breite Spektrum an Berufen in einem Spital aufzuzeigen. Es war eine Offenbarung, vor allem für die Mädchen. Tuli sagt: „Die Kinder haben viele Träume. Aber oft denken sie nur, sie möchten Ärztin, Ingenieur oder Lehrerin werden. Das ist für sie aber oft nicht realistisch. Als Ausbildungsberaterin möchte ich ihnen andere Optionen aufzeigen, wie zum Beispiel die vielen Berufe im Gesundheitswesen, die es neben dem Arztberuf auch noch gibt.“

Kürzlich besuchte sie mit den Kindern auch Terra Indica, eine Hilfsorganisation, welche sich um Strassenkinder kümmert. Dort trafen sie einen Jungen, der sich für einen der prestigeträchtigsten Informatik-Ausbildungen in ganz Indien bewirbt. Er erklärte ihnen, was er am Computerwesen so mag. Auch bei einem Unternehmer war Tuli mit den Schülerinnen und Schülern schon. Einige von ihnen zeigen Interesse daran später einmal ein eigenes Geschäft zu führen.

Back to Top