Rauswurf in Talapark

Rauswurf in Talapark – Photo CR

Rauswurf der Bewohnerinnen und Bewohner von Talapark

Allen Leuten, die in den Hütten gegenüber der Talapark-Klinik und -Schule von Calcutta Rescue und in den Slumwohnungen der umliegenden Strassen leben, wurde an einem Samstag der Mietvertrag gekündigt. Die Regierung von Kolkata gab den etwa 150 Personen nur eine Woche, um ihr Zuhause zu verlassen. Dann wurden ihre Behausungen zusammen mit ihrem wenigen Hab und Gut zerstört. Die Leute wandten sich an einen lokalen Rat, der ihnen erlaubte, in einer Notschlafstelle in der Nähe zu übernachten. Dort gibt es zwei grosse, offene Hallen, eine für Männer und eine für Frauen. Sie müssen die Notschlafstelle jeweils um 6 Uhr morgens verlassen und es gibt keine Vorkehrungen für die Aufbewahrung ihre Besitztümer. Einigen ist es gelungen, das Meiste ihrer Habseligkeiten zu retten, aber viele haben fast ihren gesamten Besitz  verloren. Die Überreste der zerstörten Hütten, Betten, Töpfe und Pfannen liegen immer noch in der Gegend verstreut.

Unter den Personen, welche aus ihren Behausungen geworfen wurden, sind zehn Schülerinnen und Schüler der Talapark-Schule von Calcutta Rescue. Die Mütter der sechs Schülerinnen gingen zu Ananya, der Leiterin der Schulen von Calcutta Rescue, und berichteten ihr, dass ihre Töchter in der Notschlafstelle nicht sicher untergebracht seien. Ananya willigte ein, dass die Mädchen zumindest vorübergehend in der Schule übernachten können.

Die Auswirkung der Siedlungsräumung auf die involvierten Familien ist unklar. Es besteht die Hoffnung, dass die Regierung eine andere Wohnsituation für die Familien schafft. Keiner weiss aber, wo und wann das sein wird und wie lange es bis dahin noch dauert. Einige der betroffenen Familien sind Wirtschaftsflüchtlinge aus Bangladesch ohne offiziellen Aufenthaltsstatus, ihre Zukunft ist daher noch unsicherer. Calcutta Rescue sitzt den Beamten im Nacken und wird alles Mögliche tun.

Die Aktion wirft auch Fragen für die Projekte von Calcutta Rescue auf. An allen Standorten der Kliniken und Schulen von Calcutta Rescue gehört das Land nämlich nicht der Organisation. Die geplante neue Schule wird aber erstmals Eigentum von Calcutta Rescue sein.

Schon seit einiger Zeit ist ein Sportstadion auf dem Parkgelände von Talapark in Planung. Der Rauswurf der Familien aus ihren Behausungen steht wohl in Zusammenhang mit den Vorbereitungen des Stadionbaus. Trifft dies zu, besteht die Sorge, dass die Strassen um das Parkgelände verbreitert werden könnten, was zur Folge hätte, dass Calcutta Rescue ausziehen müsste. Aber dies könnte noch Jahre dauern. Vor einem Jahrzehnt wurden bereits einmal alle Bewohnerinnen und Bewohner des Gebiets von den Behörden weggeschickt. Dann geschah doch nichts und die Leute sind zurückgekerht.

Die Frage eines Notfallplans für einen allfälligen Umzug der Klinik und der Schule wird Calcutta Rescue in den nächsten Wochen beschäftigen.